Während man in Deutschland immer dringlicher auf einen parteipolitischen Befreiungsschlag aus den Reihen einer mitsamt ihres Kanzlers demoskopisch am Boden liegenden Regierungskoalition wartet, sollte man ein darüber in den Hintergrund rückendes, jedoch propagandistisch hoch virulentes kriegshetzerisches Dummschwätzertum nicht aus dem Blick verlieren.
Wenn Politiker und Journalisten den fortschreitenden Sprachverfall für fahrlässigen Sprachgebrauch nutzen, westliche Unterstützer der Ukraine zunehmend aber unmerklich als „Verbündete“ zu bezeichnen, so ist das wegen fehlender militärischer Beistandspflicht zwar eine komplett falsche Bezeichnung. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich dieser Begriff nach und nach in der öffentlichen Wahrnehmung verfestigt und eventuell als konsequente Schlussfolgerung unumgänglicher eigener kriegerischer Handlungen missdeutet werden kann.
Wäre das Geschwätz bestimmter Zentralfiguren nicht so konfrontativ und in der Konsequenz möglicherweise für alle lebensverändernd, könnte man es bei der Betrachtung derjenigen beim Kopfschütteln belassen, die vom Propagandabaum, den sie mit rhetorikverschärfender Begeisterung hinaufstiegen, nicht mehr runterkommen.
Als ehemaliger Gebirgsjäger möchte ich folgende Analogie ziehen: Ich finde es sehr bedauerlich, dass es in unserer Gesellschaft keine Spezialisten gibt, die in Problemfeldern mit der hochspezialisierten und ehrenamtlichen Bergwacht vergleichbar wären. Derartige Problemlöser könnten politische Flachlandtiroler aber auch leichtsinnige Verbalalpinisten, die sich überschätzt, verirrt oder „verstiegen“ haben, aus einer für sie nicht mehr beherrschbaren Lage bringen und sie zurück auf den Boden ihrer bescheidenen intellektuellen Fähigkeit entsprechenden Handhabbarkeit bringen.
Da es diese Rescue-Truppe jedoch weder für Politiker noch für Medien gibt, sind wir als Leidtragende dazu verdonnert mitzuerleben, wie sich beide Gruppen in ihrer Ignoranz gegenüber geschichtlichen und staatsrechtlichen Realitäten „versteigen“.
Bevor ich auf diese Verirrung mit verlinkten Beispielen aus der ÖRR-Berichterstattung eingehe, möchte ich zuvor den größeren Kontext des derzeitig vorherrschenden politischen/medialen Klimas abbilden, in dem sich diese Verirrung abspielt.
Neben der Politik inszenieren sich Deutsche Medien zunehmend als Gestalter der Öffentlichkeit. Sie sehen sich nicht mehr nur als Nachrichtenlieferanten, nein, sie müssen, um hier das von Journalisten derzeit hochtrabend gebrauchte Lieblingswort aufzugreifen, Nachrichteninhalte auch „einordnen“. Es reicht nicht mehr nur aktuelle Ereignisse priorisierend auszuwählen.
Nein. Einige Nachrichten müssen mit einem Drall, ebenjener „Einordnung“ versehen werden. Oder, im ersten Beispiel wird es ersichtlich, man unterlässt diese „Einordnung“ immer dann, wenn sie erwartbar notwendig wäre.
Zum Beispiel werden negativ konnotierte Staatsschulden regierungskonform und bereitwillig als emotional positiv aufgewertetes Sondervermögen nachgeplappert. Ohne jedoch den für Jedermann allein schon aus zinstechnischer Sicht erkennbaren Unsinn dieser Bezeichnung „einordnend“ zu erwähnen.
Doch sofort kommt der „einordnende“ Drall wenn die einmal eingeschlagene Richtung es erfordert. Wie beim Auffinden zweier vergrabener Pistolen, die unter Verwendung einer absichtsvoll mehrdeutigen Bezeichnung als beängstigendes „Waffen-Depot” gelabelt wurden. Fürs Einbuddeln der beiden Pistolen musste die Einordnung wohl noch etwas zugespitzt werden, da Innenminister Dobrindt nur sehr zurückhaltend erklärte, dass fremde Mächte bei diesem Vorfall nicht auszuschließen seien.
Also raunten NDR, MDR und Süddeutsche Zeitung dieser Aussage noch etwas „einordnend“ hinterher, dass Ermittler bei diesem Depot davon ausgingen, dass es russischen Agenten für Anschläge dienen sollte.
Ich glaube ja immer noch, dass es kluge, kompetente und reflektierende Journalisten gibt, die wissen über was sie schreiben und reden. Doch diese Spezies scheint in Deutschland vom Aussterben bedroht zu sein! Eine Erkenntnis, die aus der täglichen Beschäftigung mit dem politischen Nachrichtenaufkommen entstand und als Resultat eine umfangreiche kognitive Nichtschwimmerei erbrachte, die sich ohne quantitative Abstufung auf etablierte, alternative und öffentlich-rechtliche Medien erstreckt. Und ganz übel: Dort wo die journalistische Kompetenz ein Loch hat, sprießt die Meinung umso stärker aus dieser Lücke!
Da werden EU-Sanktionen die den Import russischen Gases in die EU betreffen mit einem Exportverbot für Russlands Gas verwechselt. Bei dieser Sicht der Dinge ist es für so manchen Schreiberling wohl ganz klar, dass auch die sogenannte Russische Schattenflotte (ups, die befördert ja Öl) nicht nur sanktioniert, sondern speziell in der Ostsee auch gekapert werden darf. Ja sogar muss! Schließlich sei die Ostsee wegen der 8 NATO-Mitglieder der 9 Anrainerstaaten eine Art „NATO-See“. Sucht man in derlei Geschreibsel nach einer belastbaren Begründung, einer sachlichen Substanz öder einer völkerrechtlichen Vereinbarung die von einer wo auch immer residierenden höheren Macht verfügt worden sein könnte: Fehlanzeige.
Dummheit und Anmaßung: Eine gefährliche und irreführende Kombination.
Gänzlich anders verhält es sich bei Nachrichten, wenn Redaktionen aus der Vielzahl der von den Agenturen nur faktenbasiert aber ohne „Einordnung“ angelieferte Meldungen auswählen und veröffentlichen, man aber unbedingt -aus welchen Gründen auch immer- eine „Einordnung“ vornehmen möchte.
Und ab hier wird es für die Masse der Journalisten schwierig, wenn sie beim Abschreiben von den üblicherweise Ton und Drall vorgebenden „Meinungsführern“ keine Hilfestellung für eine Interpretation bekommen. Manchmal, und das nächste Beispiel zeigt es, schrecken selbst die Großen davor zurück- und wollen aus „Gründen“ einfach nicht „einordnen“.
Wenn der Bundeskanzler, der unter historisch schlechten Umfragewerten leidet, zwischen seinen zahlreichen von der Öffentlichkeit als negativ und arrogant empfundenen Bürgerbelehrungen und seiner Suche nach einem Sympathiepunkte verheißenden öffentlichen Auftritt in einem Video auf „X“ ein Statement zum Unabhängigkeitstag der Ukraine abgibt, wird Irritierendes nicht etwa „eingeordnet“, sondern schlichtweg weggelassen.
In der Berichterstattung dazu bezog man sich zwar auf das Video und zitiert daraus 1-2 altbekannte Plattitüden, („Wir stehen fest an der Seite der Ukraine“) doch sparte man sich einen Link zum Video. (Beispiele Hier, Hier und Hier)
Ein Link hätte womöglich das Irritierende an diesem Merz-Statement offenbart und womöglich „eingeordnet“ werden müssen: Das Statement war überschrieben mit „Slawa Ukrajini! Слава Україні!“ (Ruhm der Ukraine)
Die deutschen Medien, nicht nur der deutsche Regierungschef stehen bekanntlich „fest an der Seite der Ukraine“. Doch statt mit „Gratulation zum Unabhängigkeitstag“ überschrieb der deutsche Bundeskanzlers seine Grüße mit dieser militärischen Parole der ukrainischen Armee, die nicht nur deplatziert, sondern so was von gedankenlos und geschichtlicher Unkenntnis durchdrungen war.
Dieses im Oktober 2018 vom ukrainischen Parlament reaktivierte „Slawa Ukrajini“ geht zurück auf eine Parole der Organization of Ukrainian Nationalists (OUN) und der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA). In Polen werden diese beiden Organisationen für zwischen 1943-1945 begangene systematische Massenmorde an schätzungsweise 100.000 polnischen Zivilisten verantwortlich gemacht. (In Polen begeht man am 11. Juli, in Gedenken an das Massaker in Wolhynien, den offiziellen Nationalen Gedenktag für die Opfer des Völkermordes) Eventuell hatte sich der Kanzler (oder einer seiner offensichtlich minderbegabten Schreiberlinge) zu dieser „Slawa“-Anbiederei hinreißen lassen, da diese Parole ohne Aufregung zu erzeugen in so manchen Schlussformeln parlamentarischer Reden und persönlicher Stellungnamen aus den Reihen des politischen Personals Deutschlands Verwendung fand.
Aufschlussreich und äußerst löblich ist hierbei der Umgang der deutschen Auslandsvertretungen mit dieser Veröffentlichung des Kanzlers.

Pflichtschuldig veröffentlichten z. B. die Botschaften in London und Washington seine Videobotschaft auf „X“ (englisch untertitelt), unterließen es jedoch die „Slawa“-Überschrift mit zu veröffentlichen. Die in der Regel diesbezüglich (abgesehen vom Außenminister) gut ausgebildeten und akademisch geschulten Verantwortlichen in den deutschen Auslandsvertretungen verfügen offensichtlich über etwas unverzichtbares, das im Kanzleramt womöglich nur noch in Abstellkammern verrottet: geschichtliche Kenntnis und diplomatisches Geschick!
ARD und ZDF sehen ukrainische Verbündete wo keine sind
Bezeichnen sich drei europäische Staatschefs bei der Unterstützung der Ukraine als „Koalition der Willigen“, ein Begriff, den US-Präsident George W. Bush mit Blick auf diejenigen Staaten prägte, die ihn beim völkerrechtswidrigen Angriff der USA im Frühjahr 2003 auf den Irak unterstützten, suggeriert das zwar konsequentes Handeln, lässt jedoch genug Raum für Inkonsequenz. Diese im Unbestimmten dümpelnde Geneigtheit einer Willigkeit verleitet dann besonders Inkompetenzjournalisten zur irrigen Schlussfolgerung, diese „Willigen“ wären jetzt „Verbündete“ der Ukraine.
Und hier passt sie erneut, die Lieblingsfrage aus meinen Texten der letzten Monate: Ist das Dummheit, Unvermögen oder Absicht?
Zur Klarstellung: Die Begriffe „Verbündete“ (engl. „Allies“), oder „Bündnispartner“ besitzen eine tiefere, psychologische und soziale Dimension. Gemeint sind damit vertraglich geeinte Nationen oder Parteien (wie die historischen Allianzen in Kriegen).
Die im deutschen Sprachgebrauch stark verallgemeinernde und von Journalisten absichtsvoll in der damit missverständlichen Bedeutung des Wortes „Verbündeter“ gebrauchten Bezeichnung, wird im Englischen und explizit mit Bezug zur Ukraine so nicht verwendet. NATO-Staaten sprechen von ihren „Allies“, während sie Ukraine und andere nicht zur NATO gehörende Unterstützer als „Partner“ bezeichnen.
Ein fundamentaler Unterschied, der jedoch in der Berichterstattung von ARD und ZDF über die westlichen Unterstützerstaaten der Ukraine keine Berücksichtigung erfährt. Ohne Beachtung der Unterschiede zwischen Allianz, Partnerschaft oder Unterstützer und vermutlich beeinflusst von einer vielfach gelernten Kontextabhängigkeit und der emotionalen Vorkenntnis der „fest an der Seite der Ukraine“- und „Russland wird immer ein Feind für uns bleiben“-Aussagen, versteigen sich die Gehaltsbezieher in den ORR-Anstalten fahrlässig in die irreführende einheitliche Akteursbewertung einer vermeintlichen Bündnisbindung Deutschlands.
Fahrlässig oder absichtsvoll: Diese semantisch gefährliche Verkennung nicht vorhandener verbindlicher Sicherheitsverpflichtungen ist geeignet das propagandistische Bemühen einiger Kriegstreiber zu befeuern, um die beträchtlichen Widerstände für einen womöglich bald als unweigerlich empfundenen Kriegseintritt Deutschlands auf Sparflamme zu bekommen.
Umso bemerkenswerter ist es, dass selbst der ukrainische Staatschef Selenskyj die europäischen und nordamerikanischen Unterstützer der Ukraine immer als „Partner, aber niemals als „„Allies“ oder „Verbündete“ bezeichnet. (Ich unterstelle, dass ihm die Amerikaner das so beigebogen haben)
Betrachten wir also zuerst zwei Beispiele aus der ZDF-Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt.
Sowohl in der Anmoderation als auch im darauffolgenden Filmbericht über einen „schweren Angriff auf Kiew“ berichten Moderatorin Jana Pareigis und Reporterin Anne Brühl vom Drängen Selenskyj´s auf weitere Lieferungen von Flugabwehrraketen seiner „Verbündeten“ (ZDF-heute ab Minute 6:38)
Im Filmbericht wird Selenskyj gezeigt und dahingehend zitiert, dass ihm „die Partner“ mitteilten, dass die Ukraine wegen des Krieges im Nahen Osten weniger Flugabwehrraketen bekäme. Obwohl Selenskyj seine Waffenlieferanten in diesem Bericht „Partner“ nannte, bezeichnet die ZDF-Journalistin sie im gleichen Bericht trotzdem, zwei Mal, als „Verbündete“.
Versucht man die Arbeitsweise einer Reporterin nachzuvollziehen ergibt sich folgendes: Die Reporterin soll für die heute-Nachrichten des ZDF einen Beitrag zur derzeitigen Lage in der Ukraine produzieren. Dazu nimmt sie sich einen möglichst aussagekräftigen Videoschnipsel mit O-Ton aus Selenskyjs Pressestatement, legt eine deutsche Übersetzung drüber, dreht dazu einige tagesaktuelle atmosphärische Aufnahmen und legt einen alles verbindenden Text darüber. Fertig. Bleibt nur die Frage, warum wird Selenky zuerst korrekt übersetzt -er sprach von „Partnern“ – wenn man im Begleittext dann dafür die eigene Formulierung „Verbündete“ verwendet?
Und warum verwendet auch die Moderatorin im Studio den Begriff „Verbündete“, obwohl sie doch die in der Sendung gezeigten Einspieler (nach Aussagen des ZDF) eigentlich vorab gesehen haben sollte?
Auch hier wieder meine Frage: Ist das Dummheit, Unvermögen oder Absicht?
Vier Tage später, Brühl reportierte in der ZDF-heute, ab Minute 2:50) jetzt aus Odessa, benutze sie dann doch die Bezeichnung „Partner“, als sie in einem für Korrespondenten typischen Aufsager (Live-Bericht) erklärte, dass die Ukraine diese nicht überzeugen könne, mehr und schneller Abwehrraketen zu liefern. (Eventuell gab es da zwischenzeitlich eine Ansage aus der heimischen, wegen KI-Fälschungen gebeutelten ZDF-Nachrichten Redaktion, sich doch bitte präzise auszudrücken)
Und auch bei der ARD-Tagesschau scheint man den Unterschied zwischen Allianz, Partnerschaft, Unterstützung nicht zu kennen und benutzt, auch in der Anmoderation, das begrifflich unscharfe Wort „Verbündete“.
In der 20 Uhr Tagesschau vom 20. August 2026 (ab Minute 7:37) erklärte Sprecher Thorsten Schröder, das Selenskyj „seine westlichen Verbündeten“ erneut aufforderte, Patriot-Abwehrraketen an die Ukraine zu liefern. Zu einem im nachfolgenden Filmbericht von Reporter Vassili Golod eingeblendeten Selenskyj Statement hieß es dann korrekt, darin erneuerte Selenskyj einem Hilferuf „an die Partner“ der Ukraine zur Lieferung dieser Raketen.
Es ist schon bemerkenswert, wie fahrlässig man beim ÖRR mit potentiell Gefährlichkeit ausstrahlenden Begriffen um sich wirft.
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