Auch wenn die Headline wie der Filmtitel einer neuen Eberhofer Schmonzette daherkommt, lasst euch davon bitte nicht abschrecken. Dieses nachfolgend beschriebene Schlamassel, in letzter Konsequenz handelt es sich sogar um ein ausgewachsenes Dilemma, wäre um ein Haar im kompletten Verzicht auf Schokoladenkonsum geendet.
Die Dinge nahmen ihren Lauf, als ich das Schokoladenregal im Supermarkt meines Vertrauens ansteuerte. Die Auswahl an Tafelschokolade war dort überragend. Doch diese enorme Vielfalt war mir eigentlich völlig schnuppe. Ich wollte ja nur „meine“ Schokolade. Super, wenn sie zum Aktionspreis angeboten wurde. Falls nicht: Auch gut. Sollten daneben andere Marken oder Sorten als Sonderangebot im Regal liegen: Danke, möchte ich nicht!
Ich stand also vor dem Regal und legte drei Tafeln „meiner“ Schokolade in meinen Einkaufskorb. Und während ich noch überlegte, ob ich nicht doch noch eine vierte Tafel dazu legen sollte, sprach mich eine Frau an. Diese etwas zu bunt gekleidete Frau, die unruhig und augenscheinlich suchend vor dem Schokoladenregal auf und ab ging, war mir bereits zuvor aufgefallen.
„Ich sehe, Sie kaufen nur eine Sorte Schokolade“, stellte sie mit einem vorwurfsvollen Unterton fest. „Ja, das ist die Sorte, die mir am besten schmeckt“, erwiderte ich. Und schob noch etwas flapsig hinterher: „Ich wäre ja blöd, wenn ich etwas kaufen würde, das mir nicht so gut schmeckt.“
Das hätte ich besser nicht gesagt. Die Frau, die mich trotz ihrer asymmetrischen Frisur von Statur und Auftreten frappant an Sophie Kuczynski aus der US-Fernsehserie „2 Broke Girls“ erinnerte, rückte jetzt etwas näher an mich heran.
„Empfinden sie ihr Einkaufsverhalten denn nicht etwas diskriminierend. Sie hätten doch auch andere Marken in Betracht ziehen können. Die schmecken doch auch“, meinte sie vorwurfsvoll und zeigte auf ihren Einkaufskorb in dem sich viele verschiedene Schokotafeln befanden.
„Hier, zum Beispiel diese hier“, sagte sie und deutete auf eine Tafel in ihrem Korb. „Die schmeckt auch gut und wird in Israel hergestellt. Oder“, begann sie den nächsten Satz und sah mich dabei streng an, „sind sie einer, der Waren aus Israel boykottiert?“
„Also bitte“ verteidigte ich mich erbost. „Die Schokolade kenne ich ja nicht mal“. Meinem vermutlich total entgeisterten Gesichtsausdruck schien sie die Aufforderung zu entnehmen sich Vorstellen zu müssen. „Ich bin die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle im Landratsamt. Und muss gerade einen Geschenkkorb für einen ausscheidenden, Schokolade liebenden Kollegen zusammenstellen. Und damit alles politisch korrekt abläuft, habe ich dabei eine besondere Vielfalt zu gewährleisten“.
„Aber liebe Frau“ hielt ich ihr entgegen, „das ist doch ihr Privatvergnügen. Diese Vorgehensweise können sie auf den Konsum bezogen doch nicht verallgemeinern“.
„Ich verallgemeinere hier gar nichts guter Mann“, erklärt mir die Antidiskriminierungstante, „Ich möchte sie doch nur etwas sensibilisieren. Denn“, und jetzt hob die Tante sogar noch den Zeigefinger, „Diskriminierung beginnt im Alltag oft unbemerkt“.
Nach dieser für sie wohl unumstößlich verkündeten Wahrheit ging sie ein paar Schritte Richtung Kasse, drehte sich jedoch nochmal um und schmetterte zum Abschluss eine weitere, vermeintlich unbestreitbare Gewissheit durch den Gang: „Unwidersprochene Kleinigkeiten bereiten den Weg für größere Ausgrenzung“.
Geistig nun hart an meiner Toleranzgrenze befindlich, stand ich nun da mit meiner ungemischten Schokoauswahl. Ach du meine Güte. Befinde ich mich damit jetzt charakterlich auf dem Weg alles und jeden auszugrenzen? Aber ……. ist die Möglichkeit etwas aus einer gewissen Vielfalt auszuwählen nicht ein demokratisches Merkmal?
Ich entschied mich für den Schokoschmelz meiner Lieblingsschokolade, das demokratische Merkmal und grübelte anschließend darüber, wie oft Antidiskriminierungsbeauftragte mit ihren Sichtweisen wohl falsch liegen.
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