Erstellt mit KI (ChatGPT)

Sie nannten ihn Bürzel

Die Tür ging auf und Sergios massiger Körper warf einen gewaltigen Schatten in das Innere des Raumes. Einer der prägenden Regisseure des Spaghetti-Western ging einige Schritte und ließ sich dann in der ersten Reihe des kleinen Vorführraums in einen Sessel fallen. In diesem, einem sehr kleinen Kino gleichenden Studio wollte er sich einige Muster und Rohschnittfassungen für seinen neuesten Western ansehen.

Wie weit seid ihr“, fragte er ohne sich zu den bereits wartenden und hinter ihm sitzenden Personen umzudrehen. „Ihr wolltet mir doch diesen Neuen zeigen“?

Sofort, Serg, sofort“ beeilte sich sein schon seit der gemeinsamen Zeit der Sandalenfilme treu an seiner Seite arbeitende Assistent beflissen zu beruhigen. „Was habt ihr denn gedreht mit dem Typ? Schon mit Kulisse und so“, fragte Sergio. „Ja“ meinte der Assistent, „wir haben ihn gleich in die Kulisse gestellt und die Szene mit aktiver Kamera gedreht“. „Nah dann lass laufen“ grummelte Sergio und blickte gespannt auf die Leinwand.

Der Projektor fing an zu schnurren. Auf der Leinwand sah man wie die Kamera auf den Eingang eines Saloons zufuhr und so einem hochgewachsenen Mann mit leptosomer Figur von hinten folgte, der diesen Saloon betrat. Gegenschuss. Die Aufnahme zeigt nun den Mann mit hochgezogenen Schultern und einem eingefrorenen Lächeln in der Halbtotalen von vorne, wie er den Saloon betritt, seinen Hut abnimmt und stehen bleibt.

Habt ihr sie noch alle“ schrie Sergio und sprang aus seinem Sessel. „Wer hat euch denn diese armseligen Lachnummer aufgeschwatzt? Und dann lasst ihr den auch noch seinen Hut abnehmen. Der Arbeitstitel unseres Westerns lautet <Man nannte ihn Hombre>, aber doch nicht <Man nannte ihn Bürzel>.

Betretenes schweigen im Studio. Nach einer gefühlten Ewigkeit hob der Assistent zum Versuch einer Erklärung an. „Aber hattest du nicht …..“ doch weiter kam er nicht. „Was hatte ich? Wollte ich einen Kasperle-Film drehen?“, schrie Sergio seinen Assistenten an.

Dieser wiederum wollte noch retten, was möglicherweise noch zu retten war und stammelte etwas von Sergios Anforderung an einen Lee Van Cleef-artigen Gegenspieler für den Hauptdarsteller.

Merda“, brüllte Sergio dazwischen. „Hast du jemals gesehen, dass ich den Lee jemals ohne Hut ablichten ließ? Ohne Hut verliert der doch sofort seine diabolische, verschlagene Ausstrahlung. Ohne Hut ist die durch seine Adlernase geprägte Physiognomie keinen Pfifferling wert. Und was machst du? Du lieferst mir hier einen Typ ohne scharf geschnittene Züge und mit einem lächerlichen Haarklecks auf seiner Glatze. Aber ob mit oder ohne Hut, und trotz minimierter Gestik, dieser Typ könne, (im Gegensatz zu einem anderen Schauspieler aus Sergios früheren Western) keinerlei Souveränität ausstrahlen“.

Jedem im Raum war sofort klar, auf welchen Schauspieler er hier anspielte. Clint Eastwood war gemeint. Der konnte das. Und das, obwohl Sergio einmal über ihn sagte, er habe „nur zwei Gesichtsausdrücke: einen mit und einen ohne Hut.“ 

Bevor Sergio das kleine Studio verließ, blickte er seinen Assistenten scharf an und forderte mit drohendem Unterton die Rückkehr von Lee Van Cleef. „Den Kasper mit dem Haarklecks könnt ihr -als dritten Watschenmann von links- an die Produzenten der Bud Spencer-Filme vermitteln“.

Ob das klappte, oder der „Kasper“ eventuell in einer anderen Rolle irgendwo auftauchte ist nicht bekannt.

(Gefunden in den Aufzeichnungen eines in Cinecittà beschäftigten Skriptgirls)

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